REZENSION: Landshuter Zeitung, 12. Januar 2013

„Ich will es selber sehen"

Christine Grandy-Dick verfasst im Selbstverlag Bücher über ihre Reisen

Von Katrin Filler

 

Seit einigen Jahren schon reist sie allein. Ein paar Monate im Jahr verbringt sie dann jeweils in der Fremde – und verfasst darüber ein Buch. Mehrere Bildbände und Reiseberichte hat Christine Grandy-Dick bereits veröffentlicht. Das jüngste Werk heißt „Indien". Dort war sie für ein freiwilliges Projekt bei einer Zeitschrift – und auf den Spuren ihrer Familie.

„Ich wollte sehen, wo die Familie meines Enkels herkommt", erzählt Christine Grandy-Dick. Dessen Vater stammt aus Indien. Also begab sie sich auf Spurensuche; und in Indien machte sie auch noch einen Meditationskurs und engagierte sich für ein journalistisches Projekt. „Ich fand es draußen immer schöner als daheim", sagt sie. Zuerst war es die Enge einer streng katholischen Erziehung, die sie hinaustrieb. Und nachdem sie über 20 Jahre lang ein ausgiebiges Familienleben geführt hatte – sie hat vier Kinder, ihr Mann vier Brüder, da war immer viel los –, zog es sie wieder hinaus.

Dabei hat sie auch sonst schon viel erlebt und gemacht. Christine Grandy-Dick hat Bankkauffrau gelernt, später hat sie sich unter anderem in New York, München und Salzburg zur Bildenden Künstlerin weitergebildet. Auch in Landshut, wo sie mit ihrer Familie seit Jahren lebt, hatte sie bereits Ausstellungen. Trotzdem zog es sie wieder fort.

 

Neugier auf die Menschen

2007 ging es los mit Neuseeland; darüber veröffentlichte sie einen Fotoband. Im Jahr darauf umreiste sie die irische Insel, dann folgte ein Monat in Patagonien: „Damit fing das Schreiben an." Über diese Reise erschien ein kleines Buch. Im Jahr darauf, 2010, reiste sie nach Ecuador, diesmal mit einem Projekt: Sie wollte Spanisch lernen und engagierte sich in einem Klimaschutzprojekt auf Galapagos. Es entstand das Buch „Ecuador & Galapagos", auch schon im Internet-Selbstverlag bei „Book on demand".

Und nun „Indien". Der Untertitel „Reise durch funkelnden Staub" verrät, dass die 52-Jährige auch einen Blick für Land und Leute hat. „Ich bin neugierig darauf, die Menschen zu verstehen, und ich habe Spaß daran, den Taxifahrer auf der zweistündigen Fahrt zu beobachten", sagt sie. Sie unterhalte sich mit ihm über sein Leben, seine Familie, „und schon ist die Welt nicht mehr so groß". Und sie fügt hinzu: „Es reicht mir nicht, etwas aus der Ferne erzählt zu bekommen, ich will es selber sehen." Gleichzeitig erzählt sie selbst in ihren Büchern anderen Menschen aus der Ferne. Sie weiß, dass das keinen Indienbesuch ersetzt, doch sie will weitergeben, was sie gesehen und erlebt hat, erzählt Grandy-Dick.

Auch in Indien machte sie nicht einfach Urlaub. Sie war dort mehr als drei Monate lang unterwegs und arbeitete auch für die Zeitschrift „Madurai Messenger". Sie wird von „Projects Abroad" unterstützt, einer Agentur für Freiwilligenarbeit. Grandy-Dick schrieb zum Beispiel über einen bekannten Vogelbeobachter und einen Artikel über ihre Erfahrungen der vorherigen Reise auf die Galapagos-Inseln.

Auf ihrer Indienreise, erzählt sie, nahm sie sich auch immer wieder Führer, „Naturführer, Kulturführer, aber nicht zusammen mit zehn anderen Leuten". Sie wollte Land und Leute nicht in einer großen Touristengruppe erkunden. Ohne Führer komme man an die Orte allerdings fast nicht hin, sagt sie. Dazu kämen sprachliche Probleme, bei denen ein einheimischer Führer helfen könne. Christine Grandy-Dick spricht von einer geradezu unersättlichen Neugier, die sie antreibe.

Das Buch ist aufgezogen wie ein Tagebuch, über den einzelnen Abschnitten stehen Datum und Ort. So begleitet der Leser Grandy-Dick chronologisch auf ihrer Reise. In ihrem Buch gibt sie ausführliche Beschreibungen über das Essen und ihre Befindlichkeiten, Erlebnisse wie Echsen in der Unterkunft oder umständliche Behördengänge; dazu stellt sie Fakten über Indien und die Regionen, die sie jeweils bereiste. Dazu gibt es eine Fotostrecke.

Inzwischen war Christine Grandy-Dick schon wieder unterwegs, diesmal in Japan. Das Manuskript für ein Buch darüber ist schon fertig. Dann allerdings, erzählt sie, könnte es vielleicht doch einmal an der Zeit für eine Reisepause sein.

 

Quelle: Landshuter Zeitung, 12. Januar 2013