Rezension "bluesnews"

Höchst selten liest (oder besser verschlingt) der Verfasser dieser Zeilen einen Roman binnen zwei Abenden - und das lag nicht etwa an einer spartanischen Seitenzahl. Nein, Peter Reidegeld, in seiner Freizeit als Bluesmusiker aktiv, versteht es meisterhaft, Leser/-innen auf falsche Fährten zu führen und so die Spannung bis ganz zum Schluss aufrechtzuerhalten. Aufgebaut hat er die Handlung rund um die Ruhrgebiets-Bluesszene sowie die Bluessession im Kultur-Cafe der Bochumer Ruhr-Universität, wobei Blues-typische Klischees wie Frau weggelaufen, Suff, Klopperei, Knast und sogar Crashfahrten à la Blues Brothers zum Zuge kommen, ohne dass diese klischeehaft wirken. Schon auf den ersten Seiten geht es richtig rund, Schlägerei bei der Bluessession, Knast, der erste Mord, Verfolgungsjagd mit der Polizei und wieder Knast - Langeweile kommt definitiv nicht auf. Im Mittelpunkt steht der Bluesmusiker Freddy Spieker, ein zunächst etwas unsympathisch wirkender Typ, dem die Gitarre geklaut wurde. Aber nicht irgendeine, sondern eine halbakustische Gibson aus der „Lucille"-Sonderreihe von B.B. King - handsigniert vom Blueskönig. Das wirft Freddy aus der Bahn, der Alkohol wird sein bester Freund und im Suff prügelt er den vermeintlichen Dieb bei der Bluessession krankenhausreif. Tags darauf gibt es die erste Leiche und Freddys Probleme werden größer. Was folgt, ist eine spannende Suche nach dem Mörder und nach Freddys „Lucille" im Umfeld der Ruhrgebiets-Bluesszene, wobei auch der spröde Pott-Humor nicht zu kurz kommt. Gut, die Lösung des Falls wurde etwas pathetisch inszeniert, aber Schwamm drüber, dafür hat dieses Buch viel zu gut unterhalten. Bei „Ruhr-Blues" handelt es sich um den ersten Kriminalroman von Peter Reidegeld - und hoffentlich nicht um seinen letzten! (df)