ALLGÄUER ZEITUNGSVERLAG: Der Liebestöter - Prostatakrebs

Die Entfernung der Vorsteherdrüse führt oft zu Impotenz. Zwei Autoren, ein Arzt und ein Betroffener, haben Bücher zu einem Thema veröffentlicht, das jeden Mann etwas angeht.

 

Kempten Prostatakrebs ist eine der häufigsten Erkrankungen des Mannes. Muss die Vorsteherdrüse entfernt werden, leiden viele Patienten nicht selten an Impotenz. Doch über dieses Thema wird häufig der Mantel des Schweigens gelegt. Darum hat Dr. Georges Ferdinand Akoa Mbida (50) ein Buch geschrieben, das genau auf diesen Bereich den Fokus legt. Er ist leitender Urologe im Parksanatorium Aulendorf, einer Fachklinik für onkologische Rehabilitation der Waldburg-Zeil-Kliniken, und stellte sich im Allgäuer Medienzentrum gemeinsam mit Paul Boos (82) aus Sonthofen für ein Interview zur Verfügung. Paul Boos wurde 2003 die Prostata entfernt, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Auch er hat ein Buch zu dem Thema verfasst.

Herr Boos, wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrer Frau geschlafen?

Boos: Das war 2003. Nach meiner Operation ging nichts mehr. Man hat versucht, nervenerhaltend zu operieren. Dann kann unter Umständen die Potenz erhalten werden. Bei mir war aber bei einer LeistenOP früher eine Art Netz eingesetzt worden. Und das war mit den Nerven verwachsen. Darum klappte es nicht. Letztlich war bei mir darum Schluss mit dem Sex. Zudem verblieb eine dauerhafte Inkontinenz, mit der ich aber jetzt gut klarkomme und ein fast normales Leben führen kann.

Wie sieht Ihre Sexualität heute aus?

Boos: Ich habe mit dem körperlichen Sex abgeschlossen. Ich bin zum Glück mit einer sehr verständnisvollen Frau verheiratet. Sie ist genau so alt wie ich. Sie sagte: „Ach Paul, es gibt noch andere schöne Dinge.“ Man kann ja auch ohne Sex liebevoll und zärtlich miteinander umgehen. Aus meiner Selbsthilfegruppe weiß ich aber, dass solche Situationen auch anders verlaufen können, etwa wenn die Partnerin jünger ist. Das ist dann sehr belastend für die Männer.

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Ältere Männer müssen sich eigentlich nichtunbedingt operieren lassen, wenn bei ihnen Prostatakrebs festgestellt wird. Haben Sie das damals gewusst, Herr Boos?

Boos: Nein, ich hatte viel zu wenig Informationen. Mein Arzt hat mir nur gesagt, dass ich operiert werden müsse. Das ärgert mich heute noch. Wahrscheinlich würde ich ohne OP jetzt noch leben, mit einem langsam wachsenden Tumor, den man zwar beobachten muss. Ich hätte aber keine Scherereien mit Impotenz und Inkontinenz.

Dr. Akoa: Es fehlt den Urologen oft viel zu sehr an Zeit für Aufklärung. Das war auch der Grund, warum ich das Büchlein verfasst habe. Da habe ich alles reingepackt, was wichtig ist. Und bei Herrn Boos lag noch die Problematik mit dem Netz wegen des Leistenbruchs vor. Die ist gar nicht so selten. Heute wird aufgrund solcher Schwierigkeiten versucht, auf ein solches Netz zu verzichten.

 

Das Buch „Paule ist nicht mehr ganz dicht  – Erlebnisse mit Inkontinenz nach Prostataoperation“ – von Paul Boos gibt es im Buchhandel.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Autors www.pboos.de

 

  Mit freundlicher Genehmiguing: Allgäuer Anzeigeblatt 1.März 2014 *** Von Markus Bär