Autorin Renate Henkel im Interview zu "Reifenspuren im Sand"


Renate Henkel sieht man die Sonne Afrikas an. Die braungebrannte Baden-Württembergerin ist seit 2007 mit einem ausgebauten Geländefahrzeug immer wieder auf ausgedehnten Touren quer durch den südlichen Teil des schwarzen Kontinents unterwegs.

Ihre Arbeiten als Naturfotografin präsentiert sie bereits seit Längerem auf Fotoshows in ihrer Heimat, inzwischen ist auch ihr erstes Buch erschienen, in dem sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Jahre „on the road“ zu Papier gebracht hat.  Wir haben Renate Henkel zu Reisefieber und Tierfotografie sowie über das Warten für ein gelungenes Bild befragt.

 

 

Frau Henkel, Sie sprechen im Buch vom Afrikavirus. Wann sind Sie genau daran erkrankt?

Wir hatten auf vergangenen Reisen in den Neunzigerjahren und 2001 bereits einige Aspekte des südlichen Afrikas kennengelernt, also Nationalparks in Namibia und Botswana. Das hat uns immer so sehr fasziniert, dass wir uns dachten: Wenn wir eines Tage mehr Zeit hätten, sprich nicht mehr arbeiten müssten, dann würden wir uns den Kontinent einmal ein bisschen genauer anschauen. Gerade bei der Tierfotografie kann man ja nicht einfach irgendwo hinfahren und erwarten, dass die Tiere auf Bestellung ans Wasserloch kommen oder am Auto vorbeidefilieren. Man muss Zeit haben, um auf die Tiere, das richtige Wetter, das richtige Licht zu warten. Und das geht halt nicht, wenn man zeitlich begrenzt ist und jeden Tag weiter muss.

 

Warten ist im hektischen Europa zur seltenen Tugend geworden. Was machen Sie denn eigentlich in dieser Zeit?

Wir haben das Glück, dass wir ein Fahrzeug haben, in dem man wirklich alles machen kann. In dem man sich, wenn man müde wird, sich zur Not auch ins Bett legen kann. Aber oft ist es so, gerade wenn man an Wasserlöchern steht, wie auf einer Theaterbühne. Elefanten kommen, trinken, gehen wieder, dann ein paar Zebras, später zwei Schakale. An manchen Wasserlöchern ist sehr viel los. Da kommt man nicht dazu, zu lesen oder nach hinten in die Kabine zu kriechen, um sich Frühstück zu machen. Wenn nichts passiert, nehmen wir uns ein Buch mit nach vorn in die Fahrerkabine und gucken nur ab und zu nach oben, um zu sehen, ob sich was tut.

 

Haben Sie die Zeit auch nutzen können, um an Ihrem Buch zu schreiben?

Ich führe Tagebuch, in das ich jeden Abend meine Eindrücke und Erlebnisse hineinschreibe, auch wo wir gewesen sind. Ich notiere selbst Eintritts- und Übernachtungspreise, damit wir, wenn wir zwei Jahre später noch einmal dort hinkommen, Vergleichsmöglichkeiten haben. Das füllt normalerweise so eine eng beschriebene DIN-A5-Seite. Und auf diese Aufzeichnungen greife ich zurück, wenn ich später an einzelnen Buchkapiteln arbeite. Ich lese mir das alles noch einmal durch und versuche, die interessantesten Begebenheiten zusammenzufassen. Auch einige Buchkapitel sind während der langen, dunklen Abende auf den Campingplätzen entstanden.

 

 

Sie haben in Ihrem Buch ja auch Ihre Kontakte zu Einheimischen beschrieben und geben damit einen ganz guten Einblick in die jeweilige Landeskultur. Wie läuft das vor Ort mit der Verständigung?

Das ist sehr unterschiedlich. Also in Sambia, wo wir im Kraal einer Familie übernachtet hatten – mangels anderer Gelegenheit eigentlich, weil es auf der ganzen Strecke keine Campingplätze gab, und wir uns nicht einfach irgendwo in die Landschaft stellen wollten –, dort sprach die Familie sehr gut Englisch. Das ist aber nicht überall der Fall. Es kann einem sogar in Südafrika passieren, dass man durch das Hinterland fährt und man jemanden etwas fragen will, doch die Leute sprechen nur Zulu. An den Schulen wird nicht immer Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet, die Schulbildung ist oft auch eher mangelhaft. In anderen Ländern aber, wie Simbabwe zum Beispiel, war die Schulbildung jahrelang sehr, sehr gut. Die ist erst in den letzten zehn, zwölf Jahren abgerutscht, seit Mugabe das Land ausbeutet, kein Geld mehr da ist, die Lehrer zu bezahlen, viele Schulen geschlossen werden usw. Aber bis dahin war Simbabwe eines der Länder im südlichen Afrika, das die beste Ausbildung hatte. Und da hat man nirgendwo ein Problem mit der Verständigung. Da kann man sich überall, auch auf dem Land mit den Leuten auf Englisch unterhalten.

 

Sie geben mit Ihrem Buch auch Tipps für Reiselustige. Worauf sollte man sich denn grundsätzlich bei einer Reise ins südliche Afrika einstellen.

Diese Frage bekomme ich häufig auch auf unseren Fotoshows gestellt, aber das kommt natürlich ganz auf die Vorlieben der Leute an, deshalb frage ich als Erstes: Wo liegen Ihre Schwerpunkte? Möchten Sie in erster Linie Tiere beobachten und fotografieren, möchten Sie mehr die Kultur des Landes kennenlernen? Möchten Sie in den Bergen wandern, lieber Küstenregionen besuchen oder von allem ein bisschen? Das ist eigentlich das Wichtigste: Die Leute müssen sich darüber im Klaren sein, was sie selbst vom Land erwarten.

 

Wo geht denn die nächste Reise hin?

Unser Fahrzeug steht jetzt in Tansania, wir waren in der Serengeti und auf Sansibar im Februar, und wir werden über die Grenze nach Kenia fahren und wollen in die Masai Mara, wo die berühmte Überquerung des Mara-Flusses durch die großen Gnu-Herden stattfindet. Nur richten sich diese Tiere leider nicht nach irgendeinem Fahr- oder Stundenplan, sodass wir nur hoffen können, dass Ende August die richtige Zeit dafür ist und dass wir diese Flussüberquerung miterleben. Danach werden wir uns noch ein bisschen in Kenia aufhalten, vielleicht drei, vier Wochen und einige kleinere Nationalparks anschauen. Dann geht die Reise wieder nach Süden, runter nach Johannisburg.

 

Wir wünschen Ihnen eine spannende Zeit und bedanken uns für das Interview!

 

Das Interview führte Matthias Häber, freier Redakteur, im Auftrag der Pro BUSINESS GmbH

www.matthiashaeber.de

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